Grenzenlos Kultur vol. 12
Int. Theaterfestival
9. - 25. September 2010,
Mainz

Monika Kropshofer:
Roter Teppich
Eine virtuelle Installation
9. September

Zur Eröffnung des Festivals Grenzenlos Kultur rollt Monika Kropshofer den virtuellen roten Teppich aus! Im Eingangsbereich des KUZ-Geländes zeigt die Künstlerin aus Boppard eine Wand- und Bodenarbeit aus Kunststoff-Folie, die das Foto einer Treppe, bedeckt mit einem roten Teppich, wiedergibt. Das Foto zeigt eine Treppe des Konfuzius-Tempels in Taipei und will eine Brücke über Kontinente und Zeiträume schlagen. Die Betrachter sind eingeladen, das Kunstwerk zu betreten, ihre Spuren dort zu hinterlassen und damit Teil der Geschichte dieser Arbeit zu werden.

www.monika-kropshofer.de


Kenafayim (Tel Aviv/IL):
Kapit Shel Zahav / Silver Spoon
Autobiografisches Theater aus Israel
9. + 10. September, jeweils 20.00 Uhr

Schauplatz: Eine Löffelfabrik. Die Arbeiter produzieren Löffel und Gabeln, haben aber eigentlich ganz andere Träume – Soapdarsteller sein oder Soldat, Politiker oder einfach nur sie selbst. Der Vorarbeiter treibt sie an, sie müssen fristgerecht liefern. Er hat versprochen, säckeweise Besteck zu liefern, denn wie sollen die gnädigen Herrschaften sonst im Flugzeug ihr Abendessen zu sich nehmen? Und wie sollen die Arbeiter sonst ihren einen Schekel verdienen? Man kann Brot damit kaufen, Joghurt oder einen Jeep... Mit einem hochemotionalen, autobiografisch inspirierten Stück eröffnet Kenafayim aus Israel das diesjährige Festival – Erfahrungen, Erlebnisse, Sehnsüchte so genannt behinderter Menschen, übersetzt in die Sprache des Theaters, in große und kleine Fiktionen, starke und bewegende Bilder, Szenen und Choreografien.


10. September, 18.30 Uhr:
Zohar Behrendts Dokumentarfilm „Tuesdays at 5:00 pm“
über das Leben und die Theaterarbeit bei Kenafayim.

Mit: Roni Arad, Idan Avigal, Meital Cohen, Yehiel Cohen, Tal Hirsch, Shorla Kalper, Dudu Gabai, Sushi Garbati, Mashe Ilin, Noam Kochabi, Tamir Miller, Bentzi Reuven, Sivan Salama, Yehudit Sayan, Alon Wilber, Tal Witmeyer, Elenor Linik-Wolowitz, David Wolowitz, Zahi Zeif Text: Shira Gefen & Ensemble Bewegungstraining: Ella Rotshild
Video: Amichai Bikovsky Bühne & Kostüme: Kunst- und Bühnenbild-Akademie unter der Leitung von Rakefet Levy Produktionsassistenz: Shirley Mugrabi Produktionsleitung: Eitan Ben-Chaim Künstlerische Leitung: Dalit Sharon Regie: Rina Padwa
In hebräischer Sprache mit deutschen Übertiteln. www.kenafayim.org.il

EUR 13 / 7 ermäßigt


In the Realms of the Unreal – The Mystery of Henry Darger
Ein Doku-Animationsfilm von Jessica Yu
11. September, 18.00 Uhr

Bei Tag arbeitete Henry Darger (1892-1973) als Hausmeister, in der Nacht zumeist an seinem Hauptwerk – einem Roman, der im Laufe der Zeit auf über 15.000 Seiten [!] anwuchs, den er mit traumhaften Zeichnungen illustrierte und der die Geschichte der Vivian-Girls erzählt, die auf einem Planeten mit Monden in der Umlaufbahn einen Aufstand gegen ein grausames, Kinder versklavendes Regime unterstützen. In ihrem preisgekrönten Film von 2004 verschränkt Jessica Yu Dargers Lebensgeschichte und seinen Mammutroman zu einem ungewöhnlichen Animationsfilm.

USA 2004, 81 min. Texte: Jessica Yu, Henry Darger Regie: Jessica Yu
In englischer Sprache. www.opiumpandamonium.com

Eintritt frei


Das Helmi & Cora Frost (Berlin/D):
Matrix
Schaumstoffpuppentheater nach A. und L. Wachowski
11. September, 20.00 Uhr

Bei Tag IT-Spezialist, verwandelt sich Mister Anderson Nacht für Nacht in den fliegenden Schamanen Neo, den Cyberpoeten, der über wilde Bauernhöfe fliegt und von Selbstmord und Rebellion träumt. Eines Tages nimmt ein geheimnisvoller Fremder Kontakt zu ihm auf und Anderson gerät in einen dramatischen und verwirrenden Kampf um nichts weniger als die Welt... Zusammen mit der kongenialen Diseuse Cora Frost begibt sich das berühmt-berüchtigte Performance- und Puppentheater Das Helmi diesmal in die Abgründe der virtuellen Realität.

Mit: Cora Frost, Florian Loycke, Brian Morrow, Emir Tebatebai Bühne: Burkart Ellinghaus
Puppen & Regie: Florian Loycke Eine Koproduktion von Das Helmi und dem Ballhaus Ost, gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin. www.das-helmi.de

EUR 13 / 7 ermäßigt


Dirk Darmstaedter & Bernd Begemann:
So geht das jede Nacht
Rock-and-Roll-Konzert
12. September, 20.00 Uhr

Bernd Begemann und Dirk Darmstaedter schlagen ein vergessenes Kapitel der Musikgeschichte auf: den deutschsprachigen Rock and Roll der 50er und frühen 60er Jahre. Abseits der ebenso bekannten wie ungeliebten frühen deutschen „Rock“-Platten entstanden in jenen Jahren musikalische Kleinode – in Kleinstauflagen erschienen und auf B-Seiten versteckt oder nach Erscheinen bis auf wenige Exemplare eingestampft. Die Qualität der Songs reicht von skurril über erstaunlich bis zu grandios. Die beiden ältesten Teenager der Welt, Bernd und Dirk, haben sich nun dieser vergessenen Songs angenommen und geben ihnen die Behandlung, die sie verdienen: rockend, rau und rauchend, feurig, fetzend und sexy. Einen Tag vor ihrem Auftritt bei „TV total“, zwei Wochen vor Erscheinen ihres gemeinsamen Albums und einen Monat vor Beginn ihrer offiziellen Tournee lassen uns die beiden exklusiv bei Grenzenlos Kultur bereits an etwas teilhaben, das alle anderen erst ein ganzes Stück später völlig aus dem Häuschen bringen wird.
www.tapeterecords.de/artists/dirk-darmstaedter-bernd-begemann

EUR 15 Einheitspreis


Alles nur geträumt!
Kurzfilm-Schlafzimmer
14., 15. + 16. September, jeweils ab 18.00 Uhr

Achtung: Täglich sterben Tausende von Träumen an den Folgen des Erwachens ihrer Träumer! Damit ist jetzt Schluss! Inspiriert durch das diesjährige Kultursommermotto „Über Grenzen“ ließ der Kurzfilmwettbewerb „Alles nur geträumt!“ seit Mai 2010 die Grenzen zwischen Traum und Realität verschmelzen. Jugendliche aus Rheinland-Pfalz hatten drei Monate Zeit, ihre ganz eigenen Traumvorstellungen und Visionen in einem Film zu bannen. Die Resultate dieser cineastischen Traumrettungs-Aktion werden an drei Tagen im Hof des KUZ im eigens eingerichteten Film-Schlafzimmer in einer Dauerschleife gezeigt.

Projektleitung: Florian Beyer (KuSo RLP) www.allesnurgetraeumt.de

Eintritt frei


Ohrenkuss (Bonn/D):
OmaOpa
Autorenlesung
14. + 15. September, jeweils 19.00 Uhr

Ohrenkuss ist eine Zeitung, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Als Einstimmung auf She She Pops verspätete Vorbereitungen zum Generationswechsel präsentieren Autoren dieser Zeitung in einer Lesung eindringliche, lustige und unerwartete Texte zum Thema Großeltern und Älterwerden. Dabei finden sie überraschend klare Worte, auch für das eigentlich Unaussprechliche. „Der Opa macht was anderes, was die Oma nicht möchte. Weil der geht immer raus und schmeißt der seine Blumenkästen raus. Bist du doof? Das sagt die Oma zu Opa.“
www.ohrenkuss.de

EUR 5 / 3 ermäßigt, Kombiticket mit Testament: EUR 13 / 7 ermäßigt


She She Pop & ihre Väter (Berlin/D):
Testament
Verspätete Vorbereitungen zum Generationswechsel nach Lear
14. + 15. September, jeweils 20.00 Uhr

Die  Performer/innen von She She Pop verwandeln seit zwölf Jahren Fragen, die sie auch privat bewegen, in Theater. Diesmal bitten sie ihre eigenen Väter mit auf die Bühne. Und versuchen, ausgehend von Shakespeares „König Lear“, einen Ausgleich zwischen den Generationen auszuhandeln. Doch, wie es zu erwarten war, steht dem einiges im Weg: Selbstverwirklichungsansprüche, Kommunikationsprobleme, vermeintliche Liebesbeweisbringschuld, Schuldgefühle, intime Details, Pflegepläne und Benzinquittungen. Nicht anders als bei Shakespeare droht der Plan, eine Absprache für die Altersvorsorge zu treffen, mit Ach und Krach zu scheitern. Ein hochkomisches Unterfangen, und zugleich todernst und ergreifend. Es geht um Macht und die Kompensation ihres Verlustes; um die 68er-Generation und das tendenziell schlechte Gewissen ihrer Kinder, deren Ansprüchen nie  gerecht werden zu können; um den Umgang mit Text und die Repräsentation in Bildern. „Ehrlich und mutig, lustig und traurig... Ein großer Wurf.“ (Hamburger Abendblatt)

Von und mit: Sebastian und Joachim Bark, Fanni und Peter Halmburger, Mieke und Manfred Matzke, Lisa Lucassen, Ilia und Theo Papatheodorou Assistenz: Kaja Jakstat Produktion und PR: ehrliche arbeit Administration: Elke Weber Konzept: She She Pop  www.sheshepop.de

EUR 13 / 7 ermäßigt


Theater zum Westlichen Stadthirschen & Theater Thikwa (Berlin/D):
Kafka am Sprachrand
Ein Drahtseilakt für 4 hoffnungsvoll überforderte Clowns
16. September, 19.30 Uhr

Ein Kafka-Abend der besonderen Art. Bekannte und weniger bekannte Prosaminiaturen und Textfragmente von Franz Kafka, auf die Bühne gebracht vom Theater zum Westlichen Stadthirschen, auf subtil-subversive Weise kommentiert, illustriert, auseinander genommen, neu wieder zusammengesetzt und eben an den Sprachrand geführt von den Schauspielern von Theater Thikwa, deren Behinderung nicht sentimental thematisiert, sondern als Stärke mit ins Spiel gebracht wird. Ein Experiment im Sprachlabyrinth, frei von überkandidelten Interpretationszwängen, auf einer zunehmend von weißen Mäusen bevölkerten Bühne. „Kann man über Kafka-Texte lachen? Und wie! Bei diesem poetisch-absurden Grenzgang des Theaters zum Westlichen Stadthirschen echot manchmal sogar Loriot herüber. Ein wunderbares Spiel aus merkwürdigen Konfrontationen und sprachlicher Hochseilartistik.“ (zitty Berlin)

Mit: Dominik Bender, Wolfgang Fliege, Karol Golebiowski, Corinna Heidepriem Bühne & Kostüme: Isolde Wittke Licht: Urs Hildbrand Regie: Anke Mo Schäfer & Dominik Bender www.thikwa.de

Kombiticket mit „Da lachte Kafka“: EUR 13 / 7 ermäßigt


Hans-Gerd Koch:
Da lachte Kafka
Eine etwas andere biografische Annäherung
16. September, 21.00 Uhr

Das Werk Franz Kafkas wird landläufig als ernst und düster angesehen, die Krankheit und der frühe Tod haben dem Autor zusätzlich noch tragische Züge verliehen. Der Kafka-Herausgeber Hans-Gerd Koch setzt dem ein anderes Bild entgegen – eine unerwartet vergnügliche Annäherung an einen großen Autor in Anekdoten, Zeitzeugenberichten und Zitaten. „Es dürfte im Augenblick keinen Forscher geben, der von Kafkas Vita und seinen Schreibprozessen eine so immense und intime Kenntnis besitzt wie Hans-Gerd Koch.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Von und mit: Hans-Gerd Koch www.wagenbach.de

Kombiticket mit „Kafka am Sprachrand“: EUR 13 / 7 ermäßigt


Outsider – The Art and Life of Judith Scott
Ein Film über die Ausnahmekünstlerin Judith Scott
17. September, 19.00 Uhr

Das Werk der bildenden Künstlerin Judith Scott (1943-2005) lässt pauschale Grenzziehungen zwischen geistiger Behinderung und eigenständigem künstlerischem Ausdruck fragwürdig erscheinen. Geboren mit dem Down-Syndrom, gehörlos, stumm und auch sonst kaum kommunikationsfähig, besaß sie nicht die Intelligenz, die unserer kunstgeschichtlichen Tradition entsprechend von einem wahren Künstler erwartet wird. Und doch müssen ihre Arbeiten den Vergleich mit Werken einiger der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts nicht scheuen. Der preisgekrönte Film von Betsy Bayha zeigt die Ausnahmekünstlerin bei der Arbeit.
www.judithscottdocumentary.org

Eintritt frei


Theater HORA & Sommerblut ((Zürich/CH & Köln/D):
Menschen!Formen!
Musiktheater von Elefantenmenschen, Wolfjungen und verlorenen Prinzen
17. September, 20.00 Uhr

Drei Filme von drei Regie-Ikonen – David Lynch, François Truffaut und Werner Herzog – als Ausgangspunkt für ein traumwandlerisch fragmentarisches Bühnenprojekt, das die Mittel von Erzähltheater, Tanz, Improvisation, Performance und Konzert nutzt und dabei tief berührende, lange nachwirkende Bilder und Situationen schafft. Es geht um das Fremde, um die Sehnsucht nach Normalität, um die Chancen, Schwierigkeiten und Bösartigkeiten von Integration und Sozialisation, um das Zurschaustellen und die Lust am Hässlichen, um den Blick, der ausgrenzt, und um fatale Gemeinsamkeiten zwischen Wissenschaft und Freak-Shows. Szenen aus und zu den Filmen ergeben dabei – puzzleartig montiert und verbunden – die fiktive Geschichte des Außenseiters schlechthin. Dabei entführen die „Experten des Andersseins“ von Theater HORA und Sommerblut Köln die Zuschauer in eine Welt jenseits des Intellekts. Eine Welt, in der es, frei nach David Lynch, nicht darum geht, etwas zu verstehen, sondern darum, etwas zu erfahren.

Mit: Freya Flügge, Matthias Grandjean, Christiane Grieb, Carl Ludwig Hübsch, Peter Keller, Ilil Land-Boss, Lorraine Meier, Mirco Monshausen, Nico Randel, Ingmar Skrinjar, Alexander Trunk, Judith Wilhelmy Musikalische Leitung, Co-Regie: Carl-Ludwig Hübsch Kostüme: fashionistas-cologne Bühnenbild, Licht, Technik: Michael Köser Projektassistenz: Cedric Bergmann Videoproduktion: Carasana Film Regie: Michael Elber www.hora.ch

EUR 13 / 7 ermäßigt


Herbert Fritsch:
Sprachlöchersterne
Eine Leseperformance mit Texten von Geisteskranken aus der Sammlung Prinzhorn
18. September, 20.00 Uhr

Wenn der Schauspieler Herbert Fritsch in einer Leseperformance Texten von Psychiatriepatienten aus der Sammlung Prinzhorn seine Stimme gibt, dann wird Literatur zu etwas anderem als Literatur – schlicht zu einem Erlebnis jenseits aller Worte. Denn Herbert Fritsch, der als Regisseur mit seiner „Volpone“-Inszenierung am Wiesbadener Staatstheater um ein Haar zum Theatertreffen eingeladen worden wäre, war als Schauspieler der Berliner Volksbühne Buster Keaton, Action-Held, Clownsphilosoph, eleganter Strizzi und Stuntman in eigener Sache zugleich – damals, als diese Volksbühne Jahr für Jahr die Champions League gewann mit ihrem galaktischen Ensemble. Mit „zuweilen beängstigender Spielwut“ – so die Begründung für den Gordana-Kosanovic-Preis, den er 2009 erhielt – widmet sich Fritsch in „Sprachlöchersterne“ einer Auswahl von aberwitzigen, anrührenden und zum Schreien komischen Texten, die der Arzt und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn von 1880 bis 1933 in psychiatrischen Kliniken zusammentrug.

Mit: Herbert Fritsch Texte: Oskar Herzberg, Karl Gustav Sievers, J.-H. Grebing, Theodor Schwebig, August Klose u.a. www.heribert.de, www.prinzhorn.uni-hd.de

EUR 13 / 7 ermäßigt


Anika Baumann:
Der dickste Pinguin vom Pol
nach Ulrich Hub für Kinder ab 5 Jahren
19. September, 11.00 + 16.00 Uhr

Obwohl er von einer ziemlich dicken Fettschicht umgeben ist, träumt der dicke Pinguin vom Schwitzen, von Ferien an der Sonne. Um seinen Traum in die Tat umzusetzen, begibt er sich mit einer Tonne Fischstäbchen auf die Reise, auf einer Eisscholle will er in wärmere Gewässer gelangen. Doch die Scholle schmilzt, und so landet der Pinguin nicht auf einer Ferieninsel, sondern als Kellner in einem Mainzer Restaurant. „Was bin ich denn? Bin ich denn mehr so eine Art Vogel, oder bin ich mehr so eine Art Fisch?“ Der Pinguin gerät ins Nachdenken über sich selbst, den Unterschied zwischen warm und kalt, Fischstäbchen und Oberkellner... „Eine reichliche Stunde fröhlich-nachdenkliches, temperamentvolles Kindergeburtstags-Theater (...). Anika Baumann müht sich redlich mit dem dicken Kerlchen, ist verschmitzt und neugierig und wird zum verlässlichen Spielgefährten.“ (Der Tagesspiegel)

Pinguin: Anika Baumann Musik: Sebastian Bandt Ausstattung: Anke Ebeling Technik: Daniel Kutsch Regie: Ronny Jakubaschk. Eine Produktion des Maxim Gorki Theaters Berlin. In Kooperation mit Kids-im-KUZ, im Rahmen des 18. Mainzer Kinder Theater Festivals.  www.gorki.de, www.anikabaumann.blogspot.com

Euro 6 Einheitspreis
 

Gintersdorfer/Klaßen (D/CI)
Très très fort
Tanz und Dokumentartheater über Politik an der Elfenbeinküste
19. September, 20.00 Uhr

In „Très très fort“ demonstrieren Schauspieler von der Elfenbeinküste Duktus und Auftreten afrikanischer Politiker, der Militärs, der Rebellen. Die Darsteller erzählen von täglichen Zusammenstößen, von Misstrauen und Propaganda. Die deutschen Schauspieler/innen übersetzen die ivorischen Darsteller und befragen die gezeigten Vorgänge. Showbiz, Glamour und gnadenloser Spaß wechseln mit Szenen ab, in denen die Darsteller an ihre Leistungsgrenze gehen, um sich den Schreckensmomenten des Konflikts anzunähern. Mit „Othello, c’est qui?“ war das deutsch-ivorische Performancekollektiv Gintersdorfer/Klaßen bereits im letzten Jahr zu Gast bei Grenzenlos Kultur. In der Zwischenzeit gewannen sie unter anderem den Jurypreis des renommierten Impulse-Festivals und erhielten den erstmals vergebenen „George-Tabori-Preis“. „Hier lernt man mehr über die Aktualität des Politischen und die popkulturelle Ästhetik des Widerstands als in so manchem künstlerischen Manifest.“ (F.A. Cramer)

Mit: Gotta Depri, Cornelia Dörr, Hauke Heumann, Lassana Kamagate, Serge Nekpe, Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star Kostüme: Bobwear und Gintersdorfer/Klaßen Von: Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen. Eine Produktion von Gintersdorfer/Klaßen, Kampnagel Hamburg und FFT Düsseldorf. www.gintersdorferklassen.org

EUR 13 / 7 ermäßigt


Teatr Osmego Dnia (Poznan/PL):
Teczki / The Files
Dokumentartheater / Broadway-Fassung
21. September, 19.30 Uhr

Nachdem die Schauspieler der legendären polnischen Theatergruppe Osmego Dnia ihr eigenes Leben in den Archiven der kommunistischen Geheimpolizei wiederfanden – dutzende Ordner, hunderte Seiten, Befragungen, Personenbeschreibungen, „theatrologische Analysen“ – wagten sie sich an ein dokumentarisches Experiment: Die Geschichte ihrer politischen Theaterarbeit zu Zeiten des „real existierenden Sozialismus“ zu erzählen, und zwar auf der Grundlage eben dieser Geheimdienstakten. Es ist die Geschichte einer Handvoll verschworener Freunde, die daran glauben, dass das Unrecht dieser Welt mit Hilfe von Theater bekämpft werden kann. Und gleichzeitig ist es die Geschichte von Verhören und Überwachung, von Beschuldigung aufgrund von angeblich Gedachtem, von intellektuellen Rebellionen und moralischen Dilemmata. „Ein kleines Theaterwunder: Man sitzt Leuten gegenüber, die Geschichte geschrieben haben, weil sie alles riskiert haben, um die Wahrheit zu erzählen, die gewonnen haben und die heute aussehen, als wären sie diese Wahrheit selbst.“ (Village Voice New York)

Mit: Ewa Wójciak, Adam Borowski, Tadeusz Janiszewski, Marcin Keszycki Textauswahl: Ewa Wójciak, Katarzyna Madon-Mitzner Raum, Licht: Jacek Chmaj Videoprojektionen: Theatre teamwork in Zusammenarbeit mit Natalia Karwacka. In englischer Sprache. www.osmego.art.pl

EUR 13 / 7 ermäßigt


Anne Tismer:
Hitlerine
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
21. September, 21.30 Uhr

Hitlerine ist eine radikalmilitante, eitle Egoistin, ausgestattet mit einem beinahe postmodernen Bewusstsein, verkörpert von der Aktionskünstlerin Anne Tismer. Irgendwo in Afrika steckt sie fest in einer parallelen Geschichte, in der Adolf nicht vorkommt, aber anderes Schlimmes schon, etwa die Völkermorde zu Beginn des letzten Jahrhunderts auf dem schwarzen Kontinent. Ihre Anhänger sind die kakka-produzierende Ameise Angelika, der sexy Schwarzafrikaner Marcel, das Bonobo Felix – verkörpert durch Puppen und Mitspieler. Ziel der Gruppe ist es, die Zeit anzuhalten, 1913, als Deutschland noch im Besitz seiner überseeischen Kolonien ist. Gemeinsam will man die Wüstenanholzung Farmville aufbauen und aus den gigantischen Kakka-Fäden der Ameise eine unerschöpfliche Düngerressource erschließen. Aber wie ist es zu schaffen auf derart karrierefeindlichem und entwicklungsunwilligem Terrain? „Befreiung des Denkens, Entfesselung der Phantasie, letztlich ein Neudenken der ganzen Welt." (Berliner Zeitung)

Mit: Okka Hunger-Bühler, Felix Loycke, Anne Tismer Kostüme & Objekte: Burkhart Ellinghaus, Okka-Hunger-Bühler, Felix Loycke, Anne Tismer Sound: Tobias Gronau  Bühne: Burkhart Ellinghaus Regie: Alexis Bug. Eine Produktion der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin. www.annetismer.de, www.volksbuehne-berlin.de

EUR 13 / 7 ermäßigt


Das Prinzip Struwwelpeter
Elf Uraufführungen, Ausstellung und Suppenkasparküche
22. September ab 18.00 Uhr,
23. + 24. September jeweils ab 19.00 Uhr

Die Vorgehensweise des Kinderbuchs „Der Struwwelpeter" passt scheinbar nicht zu heutigen liberalen Erziehungskonzepten. Als Hohes Lied der Grenzüberschreitung gelesen aber ist dieser Klassiker der „Schwarzen Pädagogik" zeitlos, ein subversives Lehrbuch für radikalen Eigensinn, kreativen Regelverstoß und tollkühne Konsequenzverachtung. Grenzenlos Kultur hat Theaterkollektive und Performancekünstler gebeten, sich mit jeweils einer dieser elf Struwwelpeter-Episoden auseinander zu setzen, sie sich anzueignen und von ihr ausgehend halbstündige Theaterskizzen zu entwickeln in denen es um mehr und anderes geht als um die Nacherzählung von Kinderbuchgeschichten für Erwachsene: um den „Struwwelpeter“ als  Prinzip und als Vorlage für elf sehr eigene thematische und theatrale Obsessionen. Einige der wichtigsten Ensembles mit sogenannt behinderten Künstler/innen und Stars der Freien Szene im deutschsprachigen Raum sind diesem Aufruf gefolgt – wie auch die Frankfurter Freitagsküche, die für drei Tage zur Suppenkasparküche wird und gemeinsam mit beteiligten Künstlern ausgewählte Suppenspezialitäten für die Pausen zwischen den Aufführungen kochen wird.

Struwwelpeter Ausstellung

Begleitend zu all dem Struwwelpeter-Geschehen zeigt Marion Herzog-Hoinkis, die 1976 gemeinsam mit ihrem Mann die Frankfurter Struwwelpeter-Renaissance auslöste, im KUZ Struwwelpetereien: Erinnerungen an 31 Jahre Museumsarbeit zu Ehren von Dr. Heinrich Hoffmann, jenem leidenschaftlichen Refomer der Psychiatrie, scharfsinnigen Satiriker und Spaßmacher, der – eher zufällig und nebenbei – als Autor des „Struwwelpeter“ weltberühmt wurde. Einführungsvortrag: 22. September, 18.00 Uhr.

Von und mit: Berman/Depri/Dörr, Das Helmi, Theater HORA, Mezzanin Theater & KumEina, Monster Truck, Oper Dynamo West (Johannes Müller und Kirsten Burger), Theater RambaZamba, RATTEN 07, Theater Thikwa, Anne Tismer, Praxis Dr. Zander
Grundräume: Burkart Ellinghaus Grundmusik: Anton Berman Konzept & Produktionsleitung: Marcel Bugiel und Andreas Meder. Eine Festivaleigenproduktion von Grenzenlos Kultur

Tagesticket EUR 13 / 7 ermäßigt, Dreitagesticket EUR 25 / 15 ermäßigt


Das Prinzip Struwwelpeter
Erster Tag
22. September

19.00 Uhr:
Oper Dynamo West (Berlin):
Vorrede zum „Struwwelpeter“
Oder: Die Kunst-Axt. Ein Film über die 81jährige Marion Herzog-Hoinkis, die ab 1976 mit ihrem Mann die Frankfurter Hoffmann-Renaissance eingeleitet hat, ihre Liebe zu den Tiger Lillies und darüber, dass unartige Kinder vom Leben mehr bekommen können als ein schönes Bilderbuch. Für uns gefilmt von Oper Dynamo West, die seit 2006 ausgehend von Menschen und Schauplätzen das Musiktheater-Potenzial abseitiger zeitgenössischer Realitäten erforscht.
www.operdynamowest.org, www.johannesmueller.eu

19.45 Uhr:
Theater Thikwa (Berlin):
Der Struwwelpeter
Die Titelepisode als surreales (anti-)pädagogisches Lehrstück – ein  Loblied auf das Ungepflegtsein als Rebellion gegen ein Zuviel an Betreuung. Für uns erzählt von Theater Thikwa, einem künstlerischen und sozialen Experiment mit behinderten und nicht behinderten Künstler/innen, das seit bald 20 Jahren einen festen und weithin anerkannten Platz in der Berliner Theaterszene hat. www.thikwa.de

20.30 Uhr:
Berman/Depri/Dörr (RUS/CI/D):
Die Geschichte vom Zappelphillip
Oder: Der Phillip zappelt. Eine ivorisch-deutsch-russische Bewegungsanalyse, in der der Straßentanz Logobi auf Gaga und Dada stößt und sie fragt, warum sie immer mit dem Hinterkopf durch die Wand wollen, aber nie seinem Rhythmus folgen. Für uns zusammengeführt von Cornelia Dörr und Gotta Depri von der Elfenbeinküste, beide Mitglieder bei Gintersdorfer/Klaßen, in Zusammenarbeit mit dem russischen Theatermusiker Anton Berman. www.gintersdorferklassen.org

21.15 Uhr:
Theater RambaZamba (Berlin):
Die Geschichte vom bösen Friedrich
Oder: Etwas über die Heiterkeit an trüben Tagen... Eine bitterböse Kurzkomödie über die vielleicht gefährlichste Spezies der Welt – pubertierende Jünglinge. Mit freier Bahn auf allen Etagen, in Küche, Bad und Schlafzimmer, für uns ins Rennen geschickt von Theater RambaZamba – unter dem Motto „Behinderte und ihr total verrücktes Theater“ Deutschlands erfolgreichstes Ensemble und Dauergast bei Grenzenlos Kultur. www.theater-rambazamba.org

Tagesticket EUR 13 / 7 ermäßigt, Dreitagesticket EUR 25 / 15 ermäßigt


Das Prinzip Struwwelpeter
Zweiter Tag
23. September

19.00 Uhr:
Monster Truck (Berlin):
Die Geschichte vom Suppenkaspar
Eine Performance über die Frage, was passiert, wenn das, was eine vermeintlich „gesunde“ Gesellschaft auszeichnet, nämlich Vitalität und Produktivität, verweigert wird, über unerklärliche Verhaltensweisen, Hungern als Kunstform und die Kunst des Sterbens. Für uns durchgeführt von der Performancegruppe Monster Truck, die sich als Kollektiv versteht und thematisch meist um zukünftige, apokalyptische Utopien kreist, wenn nach dem absoluten Endszenario die Show weitergehen muss. www.monstertrucker.de

19.45 Uhr:
Mezzanin Theater & KumEina (Graz):
Die Geschichte vom Daumenlutscher
Eine mehr oder weniger autobiografische Erinnerung an das  Daumenlutschen. Und eine Beschwörung des Kindseins, von Spaß, Häme, Erotik, Ekel, Lust am Grauen und Angst. Zum Beispiel der Angst einzuschlafen und dabei aus Versehen am Daumen zu lutschen – weil dann ja der Schneider kommt. Für uns wieder ans Tageslicht gebracht vom Mezzanin Theater aus Graz, das seit vielen Jahren in unterschiedlichsten Formationen und Projekten arbeitet, vom Slapstick über Straßentheater bis zu literarischen Bearbeitungen für Kinder und Erwachsene. www.mezzanintheater.at

20.30 Uhr:
Theater HORA (Zürich):
Die Geschichte von den schwarzen Buben
Eine Theaterskizze voll von tintenschwarzem Humor, über die Lust, angestarrt zu werden, über die Sehnsucht nach dem Anderssein und über die Freude an der eigenen kontinuierlichen Veränderung. Für uns skizziert von Theater HORA aus Zürich, eines der wenigen professionellen Theater von und mit Menschen mit einer geistigen Behinderung in der Schweiz, benannt nach einer Figur aus ihrer ersten Produktion, einem Theaterabend frei nach Michael Endes Roman „Momo“. www.hora.ch

21.15 Uhr:
Das Helmi (Berlin):
Die Geschichte vom Hans Guck-in-die-Luft
Ein geradezu klassisches Künstlerdrama, in dem der 19jährige Hans, weltfremd und unbeholfen, aber ein begnadeter Zeichner und Vogelstimmenimitator, den Konflikt zwischen Künstlertum und Realität a) sexuell, b) physisch, c) psychisch durchlebt. Für uns unerwartet verständnisvoll aufbereitet von Das Helmi, vor rund 10 Jahren als Performance- und Puppentheater am Berliner Helmholtzplatz gegründet, längst berühmt-berüchtigt und trotzdem weiter mit lustiger Armut der Mittel an immer neuen Stoffen arbeitend. www.das-helmi.de

Tagesticket EUR 13 / 7 ermäßigt, Dreitagesticket EUR 25 / 15 ermäßigt


Das Prinzip Struwwelpeter
Dritter Tag
24. September

19.00 Uhr:
Praxis Dr. Zander (Berlin):
Die Geschichte vom wilden Jäger
Oder: Salut ma bibiche! Eine Auseinandersetzung mit den Strategien des täglichen Überlebenskampfs als psychedelisches Experiment eines Hasen. In dem das Jägerseinwollen ein Symptom der ödipalen Phase ist und Kaffee auf der Nase Pollution, ein Jäger ein Adliger im deutschen Vormärz, ein Hase ein Proletarier, ein Brunnen ein Ort der Schöpfung und das Eintauchen in diesen eine sexuelle Beziehung. Für uns noch einmal durchlebt von Praxis Dr. Zander, einem Theaterkollektiv, das sich zusammensetzt aus einer studierten Modedesignerin, einer Musikerin, einer Architektin und einem leibhaftigen Arzt.

19.45 Uhr:
RATTEN 07 (Berlin):
Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug
Oder: Feuer! Feuer! Feuer! Eine Liebeserklärung an den Pyromanen in uns, an das Feuer als Zeichen von Wohlstand und Vernichtung, und an die Freiwillige Feuerwehr, die das alles in den Griff zu bekommen versucht. Für uns angefacht von den RATTEN 07, gegründet 1993 als "erstes Berliner Obdachlosentheater" im Anschluss an eine Inszenierung von Jeremy Weller, mehr als zehn Jahre lang Teil der Berliner Volksbühne, seitdem unabhängig, Kunstpreisträger und schon immer gern gesehener Gast bei unzähligen Theatern und Theaterfestivals. www.ratten07.de

20.30 Uhr:
Anne Tismer (Berlin):
Die Geschichte vom fliegenden Robert
Eine Kunstaktion ausgehend von der berühmten Abschlusserzählung aus dem „Struwwelpeter“, in der ein gewisser Robert Wind und Wetter nicht scheut und zur Belohnung mit seinem Schirm durch Luft und Wolken getragen wird. Für uns durchgeführt von Anne Tismer, Mitbegründerin des Kollektivs gutestun, international tätige und bekannte Performancekünstlerin. www.annetismer.de

Tagesticket EUR 13 / 7 ermäßigt, Dreitagesticket EUR 25 / 15 ermäßigt


The Tiger Lillies (London/GB):
Shockheaded Peter and other nasty songs
Ein Struwwelpeter- und Best-Of-Konzert
25. September, 20.00 Uhr

Zum Abschluss vom „Prinzip Struwwelpeter“ spielen die Tiger Lillies – nach wie vor das Schrägste und Schärfste, was die englische Musikszene zu bieten hat, und Dauergäste bei Grenzenlos Kultur – ausnahmsweise alle Songs aus ihrem mit dem Laurence Olivier Award ausgezeichneten Theaterwelthit „Shockheaded Peter“. Über jahrmarktartige Musik legt sich unerwartet die Falsettstimme von Martyn Jacques, die die Fantasie der Zuhörer in die Welt des Vaudeville zaubert, wo der Struwwelpeter und seine Gefährten zu neuem Leben erwachen. Im zweiten Teil des Abends präsentieren die drei Londoner dann noch ein Best-Of-Programm mit weiteren „nasty songs“ – mit Geschichten aus den Grenzbereichen der Gesellschaft, mit Liedern, die den echten und vermeintlichen Verlierern, den gefallenen Mädchen und allen anderen tragischen Existenzen gewidmet sind.

The Tiger Lillies sind:  Martyn Jacques (Gesang, Akkordeon, Piano) Adrian Huge (Schlagwerk, Spielzeug) Adrian Stout (Kontrabass, Singende Säge) www.tigerlillies.com

EUR 15 Einheitspreis